Donnerstag, 5. September 2019

Ich würde schon gerne ein E-Auto fahren, aber..

.. nicht aus ökologischen Gründen. Vielmehr finde ich die ökonomischen Aspekte interessant. Immer wenn das Display meines Diesels anzeigt, das z.B. ein Motorölwechsel notwendig ist oder ich genau weiß, dass die Kurzstrecke gerade die Lebensdauer des Rußpartikelfilters drastisch reduziert denke ich "so'ne Elektrokarre wär's jetzt".

Nur ist es so, dass kein Deutscher oder Europäischer Automobilhersteller (außer Porsche) derzeit ein Modell anbietet, was für den ländlichen Bereich brauchbar wäre. Die Reichweiten sind einfach viel zu gering. Hinzu kommt die quasi nicht vorhandene Infrastruktur zum schnellen Aufladen eines E-Autos abseits der urbanen Zonen. Bleibt also nur Tesla als Hersteller. Der bekannteste Tesla-Freak in Deutschland dürfte wohl Horst Lüning sein, der mit seinen Videos mehr über Tesla-Modelle erklärt, als Tesla selbst:


Zwei Faktoren stehen allerdings der Anschaffung eines Tesla im Wege. Der Preis und die völlig unkalkulierbare Zukunft. Ohne Schnickschnack liegt ein Tesla Model S bei rund 85.000 Euro. Mit etwas "Zubehör" können schnell die 100.000 Euro erreicht werden. Das ist echt heftig. Natürlich kann als Argument jetzt die ultralange Haltbarkeit und die Wartungsarmut der Fahrzeuge genannt werden. Telas mit jenseits 900.000 gelaufenen Kilometer sind nicht selten. Und dabei haben diese Autos meist noch den ersten Akkusatz, der immer noch über 70% seiner ursprünglichen Kapazität leistet. Das ist schon eine Hausnummer. Auch die Garantie- und Kulanzstandards sind echte Argumente. So werden defekte Antriebe "lebenslang" kostenlos ersetzt. Eine ähnliche Garantie hatte schon einmal ein US-Automobilhersteller. Viele werden die Marke "DMC" eher als "De Lorean" aus dem Film "zurück in die Zukunft" kennen. Auch DMC bot seiner Zeit "lebenslange" Garantien. Nur leider hat das "Lebenslang" weniger die Autos als den Hersteller erwischt. Mit der Insolvenz von "DMC" waren natürlich auch die Garantien hinfällig. Und Jungtimerfans wissen um die heikle Ersatzteilsituation (ich sag' nur "linker Kotflügel").

Wie stabil ist denn Tesla? Der Konzern von Elon Musk baut supertolle Autos, ist jedoch immer noch in den roten Zahlen. Um das zu ändern müssten die Autos erheblich teurer werden. Nur dann nimmt der Markt sie gar nicht mehr an. Zudem erhielt bis ende 2018 jeder Tesla-Neuwagenkäufer eine Smartcard die ihm das kostenlose Befüllen der Akkus an allen "Supercharge-Ladesäulen" weltweit ermöglichte. Diesen Service musste Tesla sukzessiv einstellen. Zuerst würde aus der Flatrate eine 400-Watt Obergrenze, jetzt ist auch die verschwunden. Sollte ich also das Glück haben, in der Nähe einer "Supercharge-Ladesäule" zu wohnen, würde mir das auch nichts mehr viel bringen. Wir merken also bereits, dass Tela auf Sparkurs gehen muss. Wie lange werden also die Garantien noch gelten?

Da Tesla sich nun auch an rein elektrisch angetriebene Nutzfahrzeuge traut und mit dem "SEMI" den ersten Truck vorstellte, reichen die Ladeströme der Supercharger ohnehin nicht mehr aus. Der Nachfolger heißt "Hypercharger" und soll Ladeleistungen von bis zu 1,6 Megawatt liefern um die LKW unterhalb einer Stunde mit "Treibstrom" zu befüllen (wobei.. wo sollen 1,6 Megawatt bei 45 Ampere herkommen?). Kann ich denn damit auch einen Tesla Model S aufladen? Augenscheinlich ja. Vorausgesetzt ich habe ein neues Modell (z.B. Tesla Model S Ludicrous Range für 94.000 Euro Basispreis).

Kramer schreibt in einem Blogeintrag, dass ihn diese neue Technologie am meisten beeindruckt hat. Hypercharging ist zunächst nur für den Tesla Semi vorgesehen. Kramer hält jedoch für möglich, dass Tesla herausgefunden hat, wie man auch alle anderen Tesla-Fahrzeuge mit der Technologie ausstattet. Er lobte außerdem die neue Batterie, die im neuen Roadster verbaut werden soll: Sie soll dem Sportwagen eine Reichweite von knapp 1.000 Kilometern ermöglichen.

Dann kann das Fahrzeug an einen Hypercharger angeschlossen werden und ist in wenigen Minuten randvoll aufgeladen. Das ist schon fast mit einem normalen Tankvorgang zu vergleichen. Allerdings müssen dazu viele Parameter übereinstimmen wie z.B. die richtige Außentemperatur, die richtige Akkutemperatur und einige Andere. Stellt sich jetzt die Frage, gibt es überhaupt Hyperladestationen in Deutschland? Und das Ergebnis verblüfft. Augenscheinlich ensteht hier gerade eine zügige Infrastruktur an Stellen, die man so nicht auf dem Schirm hatte. Die neuen "Tankstellen" heißen eben nicht mehr "ARAL", "ESSO" oder "STAR" sondern z.B. "Burger King" oder "Universität". Es tut sich also tatsächlich etwas.

Die wichtigste Ladestation wird jedoch immer noch das "Zu Hause" sein und dies dürfte in den seltensten Fällen über einen geeigneten Gleichstrom-Anschluss für die Schnellladung verfügen. Also entweder bekommt der örtliche Elektriker einen teuren Auftrag oder ich muss mich mit einem Wechselstrom-Adapter zufrieden geben, der den Tesla immerhin in ca. neun Stunden wieder voll bekommt. Zumindest die bislang verbeuten 100 KW/h-Akkus. Bei den in Aussicht gestellten 200 KW/h-Akkus hat sich das Thema Adapter dann auch erledigt. Bei 18 Stunden Ladezeit wird das gute Stück nach ein paar Jahren sehr wenig Kilometer auf dem Tacho haben. Also ohne "Homestation" wird da nichts mehr laufen und Tesla gibt dazu auch ein klares Statement ab:

"Warum ist Supercharging schneller als das Laden zu Hause?
Die Supercharger-Ladesäulen überbrücken das Bordladegerät des Fahrzeugs und speisen bis zu 120 kW Gleichstrom (DC) direkt in die Batterie. Diese Leistung erfordert spezielle Transformatoren und Netzstromanschlüsse, die in Wohngebieten zumeist nicht verfügbar sind."



anständig getunt macht auch ein Twizy Spaß
Ok.., soweit so klar. Ergo wird das Homecharging ohnehin keine Option bleiben. Und somit leider auch die Theorie, mit dem eigenen Solar-, Propeller- oder Blockkraftwerk-Strom das Fahrzeug zu füttern und damit (abgesehen der Anschaffungskosten und Erneuerungsrücklagen) quasi gratis zu fahren. Dazu muss dann wohl noch ein Renault TWIZY her. Natürlich nicht als der schnöde Zweisitzer wie er beim Händler in der Auslage steht. Der zweite Sitz hinter dem Fahrer ist ohnehin nur was für Masochisten. Also kann der auch raus und der gewonnene Platz bietet Raum für etwas Akku- und Antriebstuning. Da ist es dann auch egal, dass Renault die Akkus für die Dinger nur vermietet. Der Standardakku muss sowieso raus. Denn damit kommt man nur ca. 70 Kilometer. Auf dem Land reicht das nicht mal bis zum Job. Allerdings kann man damit bei LIDL gleich bis zur Kasse durchfahren und muss zum Einkaufen nicht aussteigen :-)

Aber selbst das Homecharging eines Twizys bleibt für eine - gewaltig große - Bevölkerungsgruppe in Deutschland unmöglich. Den Mietern ohne Garage oder Carport mit einer simplen Steckdose.

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