Samstag, 26. Oktober 2019

Die schmutzige Bombe kommt - Neue GSG-9-Einheit in Berlin gegen CBRN-Terroranschläge


Weitestgehend im Verborgenen baut das Bundesinnenministerium eine zusätzliche GSG-9-Einheit für die 3,6 Millionen Metropole Berlin auf. Spezialisiert sind die Berliner Neuner auf CBRN-Terroranschläge. Die Abkürzung steht für Attacken mit chemischen (C), biologischen (B), radiologischen (R) und nuklearen (N) Stoffen. Verwunderlich sind die Hintergründe dieser Spezialisierung, weil der Impuls dafür nicht von der Bundesregierung oder dem Innenministerium ausging, sondern von der EU-Kommission. Die Bundesregierung setzt damit eine Forderung der EU-Kommission um. »Aktionsplan zum verbesserten Schutz öffentlicher Räume« heißt das EU-Papier.

Die entscheidende Frage drängt sich geradezu auf: Welche konkreten Informationen besitzen die EU-Kommission und die Bundesregierung über die Bemühungen von islamistischen Terroristen, in den Besitz von nuklearen und chemischen Stoffen zu gelangen, um damit eine schmutzige Bombe zu bauen? Behördenintern wird dabei von einer USBV oder USBV-A gesprochen, von einer unkonventionellen Spreng- und Brandvorrichtung, wobei dann der Zusatz »A« für atomar steht. Denkbar für eine USBV-A sind Stoffe wie Americium, Californium, Cäsium, Cobalt, Iridium oder Plutonium. Die meisten dieser Stoffe werden bei wissenschaftlichen und medizinischen Anwendungen eingesetzt und sind relativ weit verbreitet.

Die Explosion einer solchen schmutzigen Bombe wäre verheerend. Angefangen von der Kontamination aller betroffenen Personen in einem größeren Umkreis über akute und langfristige Strahlenschäden bis hin zu einer ausbrechenden Massenpanik. Auch die wirtschaftlichen Folgen könnten katastrophal sein. Man stelle sich die Explosion einer schmutzigen Bombe am Potsdamer Platz in Berlin, im Frankfurter Bankenviertel, auf den Champs-Élysées in Paris oder im Finanzzentrum der City of London vor.

Der Aufbau einer CBNR-Anti-Terror-Einheit in Deutschland ist somit dringend angeraten. Doch die Frage bleibt: warum gerade jetzt? Welche Erkenntnisse liegen der Politik vor, und warum bedarf es erst einer Aufforderung durch die EU-Kommission dazu?

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